Roger Willemsen – Das Hohe Haus

das_hohe_hausRoger Willemsen ist einer jener Menschen in diesem Lande, welchen ich sehr viel Wertschätzung entgegenbringe. Ich kann ihm stundenlang zuhören, er ist ein kluger Kopf, der nie belehrend oder herablassend wirkt. Und das Wichtigste: Er bringt mich zum Nachdenken. Nach dem Ende von 0137 tauchte er nur noch gelegentlich im Fernsehen auf. In den letzten Wochen aber war er in verschiedensten Sendungen zu sehen, in welchen er über sein neues Buch „Das Hohe Haus“ (S. Fischer Verlage) sprach.

Roger Willemsen hat ein Jahr lang alle Sitzungen des deutschen Bundestages auf der Besuchertribüne begleitet und läßt uns in diesem Buch an seinen Eindrücken und Beobachtungen teilhaben. Willemsen schafft es, zu unterhalten und trotzdem aufzuzeigen, an welchen Stellen der bundesdeutsche Parlamentarismus krankt. Leider wird man hierbei wenig überrascht, denn vieles ist bekannt: Entscheidungen fallen in Ausschüssen, Fraktionszwang, Abgeordnete, welche andere Redner stören. Ein unterbesetzter Plenarsaal, welcher nachts in Eile Gesetze durchwinkt. Zuweilen menschenverachtende Reden, aus der ehem. Schwarz-Geld-Ecke, welche Applaus ernten…

Trotzdem, so klingt es bei Willemsen immer wieder durch, ist ihm das Parlament wichtig. Warum sollte er auch sonst ein solches Buch schreiben? Auch erwähnt er immer wieder Abgeordnete, welche ihm durch gute Reden oder umfangreiches Faktenwissen angenehm aufgefallen sind. Er hat die Hoffnung auf einen besseren Bundestag, eine bessere Diskussionskultur noch nicht aufgegeben und was mich überrascht hat: Mittlerweile ist „Das Hohe Haus“ auf dem ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste und hat dort den Herrn Sarrazin verdrängt. Es gibt tatsächlich noch Hoffnung …

Walter Janson im Gespräch mit Roger Willemsen über “Das Hohe Haus”

BVG sucht Fahrerinnen

Ich schmeiße das mal hier mit rein. Erstens paßt es gerade gut und zweitens kann ich an  Redundanz nichts verwerfliches entdecken.
Um dem Vorurteil des vermeintlichen Männerberufes entgegenzusteuern, sucht die BVG verstärkt Frauen, die beruflich im Fahrdienst tätig werden wollen. Ja, wir haben Frauen im Fahrdienst (meine Lehrfahrertage habe ich bei zwei Kolleginnen verbracht) aber die BVG möchte den Anteil an Frauen noch weiter erhöhen.
Dazu bietet man in allen drei Sparten (Straßenbahn, U-Bahn, Bus) sogenannte Schnuppertage an, bei denen man eben ein wenig reinschnuppern, ein solches Fahrzeug mal selber steuern (für die Straßenbahn wird das wohl auf dem Prüfgleis des Betriebshofes Marzahn stattfinden) und den Kollegen vor Ort auch Löcher in den Bauch fragen darf und soll. Auch wenn man an so einem Tag sicherlich von den Eindrücken überrollt wird (Selberfahren drückt schnell alles andere in den Hintergrund), informiert euch unbedingt über die Dienstlagen und die angebotenen Turnusmodelle, um euch einen Eindruck von den Arbeitszeiten zu verschaffen.
Alle weiteren Informationen und Telefonnummern zur Kontaktaufnahme, gibt es auf der Seite der BVG.

Nachtrag: Wer wirklich ernsthaft Interesse hat, klickt auf den großen Link da oben und wird entdecken, daß der sog. Schnuppertag an Frauen adressiert, die Stellenausschreibungen hingegen geschlechtsneutral gehalten sind. Diskussion Ende, Kommentare zu.

 

Ausbildung zum Straßenbahnfahrer in Berlin (BVG)

Diese Reportage von tv.berlin bietet zur Zeit den, meiner Meinung nach, besten Einblick in die Ausbildung zum Staßenbahnfahrer in Berlin. Geschildert wird hier nicht der Quereinstieg sondern die Berufsausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb. Der, für den Zuschauer wenig interessante Teil der theoretischen Ausbildung fällt hier unter den Tisch aber ansonsten ist eine sehr kurzweilige Reportage herausgekommen, welche für mich auch den “Habe-ich-zum-Glück-hinter-mir-Effekt” beinhaltet, wenn die Prüfungen erwähnt werden. Wer brauchbare Bandbreite am Start hat, kann sich Teil 1 und Teil 2 in besserer Auflösung direkt bei Youtube ansehen.

Léon und Louise

Cover Léon und LouiseEine Liebesgeschichte hat Alex Capus mit Léon und Louise abgeliefert. Und was für eine. Keine Zeile Kitsch, kein Schmalz. Stattdessen begleitet der Leser Léon durch sein Leben, wie er 1918 Louise kennenlernt und sie durch den Krieg wieder aus den Augen verliert. Er lernt das Paris vor und während der Besatzung durch Hitlerdeutschland kennen. Er begleitet Léon durch sein Leben, wie er seine Frau kennenlernt, wie er arbeitet, wie er Louise immer wieder trifft. Und wie diese Liebe im Laufe der Zeit nie verblaßt.
Ich hatte auch Scheu, einen Liebesroman zu lesen. Aber dieser hier lohnt sich von der ersten bis zur letzten Seite. Wer Freude an langen Sätzen hat, welche trotzdem immer luftig bleiben ohne banal zu werden, dem sei dieses Buch empfohlen.